Darmstädter Echo vom 04.01.2019, Seite 12

Trauer um Yorck Haase –

Der ehemalige Direktor der Landes- und Hochschulbibliothek stirbt mit 84 Jahren

Von Johannes Breckner

 

DARMSTADT.  Yorck Haase spielte in Darmstadt viele Rollen. Kein Wunder bei einem Mann, der ein Liebhaber des Theaters war. Aber er musste sich nicht verstellen, denn seine liebenswürdige Art verband die unterschiedlichsten Tätigkeiten:  als Direktor der Landes- und Hochschulbibliothek von 1977 bis 1999, als Leiter der bedeutenden Darmstädter Theatersammlung, als Motor der Darmstädter Theaterfreunde, die er über 30 Jahre als zweiter Vorsitzender zu einem aktiven Begleiter der Bühne machte. An Silvester ist Yorck Haase nach schwerer Krankheit verstorben. Er wurde 84 Jahre alt.

   Nach Darmstadt kam Haase von der berühmten Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel. Er erwies sich als Meister im Umgang mit stets knappen Mitteln öffnete die Darmstädter Bibliothek mit Veranstaltungen und Ausstellungen zur Stadtgesellschaft. Schon 1983, als Darmstadt Gastgeber des Deutschen Bibliothekstages war, erklärte er den staunenden Fachkollegen, dass auch Bibliotheken der Öffentlichkeitsarbeit bedürfen.

    Dabei hatte es zunächst ausgesehen, als könne sein Weg zum Theater führen. In Wien studierte der gebürtige Frankfurter Theaterwissenschaften, Geschichte und Kunstgeschichte, war theaterbegeistert, spielte kleinere Rollen auf Wiener Bühnen. Später ließ er sich in Frankfurt zum Bibliothekar weiterbilden. Dort lernte er seine Frau Vera kennen, die Darmstadt ebenfalls durch viele ehrenamtliche Tätigkeiten verbunden war; bis sie im Jahr 2013 starb, hatten viele Freunde Freude an den pointierten Dialogen des Paares.

   Denn auch die Freundschaft zählte zu Haases vielen Talenten. Er war kein Draufgänger der Kommunikation, der in Gesellschaften große Reden schwang, sondern ein Mensch von unaufdringlicher Präsenz. Aber gerade mit seiner zurückhaltenden, von feinem Humor begleiteten Wesensart, mit seinem wachen und emphatischen Interesse fürs Gegenüber und dem Sinn fürs Unkonventionelle konnte er Menschen verbinden und fand auch im Alter unkomplizierten Zugang zu Jüngeren.

Loyaler Stammgast im Staatstheater

   Haase hatte sich einen staunenden Blick bewahrt, auch wenn er als Stammgast die Arbeit des Staatstheaters so kritisch wie loyal verfolgte. Und meistens wusste er mehr als die jeweiligen Intendanten und Regisseure, die ja nur vorübergehende Gäste sind. Haase baute die Theatersammlung aus, strukturierte sie neu, war auch dankbaren Journalisten immer ein Ratgeber, wenn er meistens aus dem Kopf schon referierte, was sein Archiv später belegen konnte. Viele Beiträge des Darmstädter Stadtlexikons, ob über Bernhard Minetti oder Robert Stromberger, Gustav Rudolf Sellner oder die Komödie TAP, stammen aus seiner Feder.

   Untätigkeit war bis zuletzt nicht seine Sache. Von seinem Engagement profitierte auch der Rotary-Club Darmstadt, dessen Präsident er 1997/98 war. Und wenn die Clubmitglieder selbst Hand anlegten, war Yorck Haase ganz selbstverständlich dabei. Wer auf der Rosenhöhe den Rosendom oder die Pergolen bestaunt, könnte auch die eine oder andere Strebe entdecken, die von Haase gestemmt und verschraubt wurde. Dass man es ihr nicht ansieht, passt gut. Denn Haase war wichtig, ohne sich wichtig zu nehmen.